Mein Freier Wille, täglich neu überDacht, wie will ich sein? Licht. (Flaring Firewoman)

Selbsterfahrung: Freiheitskind 06/2023

Das "Natürliche Selbst"

Die Geburt des Freiheitskindes verkörpert eine Rückverbindung zu dem Aspekt unseres „natürlichen Selbst“, der auch als Ur-Selbst oder Ur-Seele bezeichnet werden kann. Es ist der Aspekt, den wir unter den vielfältigen Schichten unsers vermeintlichen Selbst zum Vorschein bringen können, wenn es uns gelingt, uns unserer wahren Natur bewusst zu werden.

Diese wahre Natur beginnt sich in dem Moment zu verändern, in dem das neugeborene Lebewesen erkennt, dass es eigenständig ist. Die Entwicklung des Egos, die dann einsetzt, ist ein überlebenswichtiger Prozess. Sie hilft dem heranwachsenden Menschen dabei, sich in der Welt zurecht zu finden, Überlebensstrategien zu etablieren und den Herausforderungen des Lebens erfolgreich zu begegnen.

Keeper of the magic mirror

"Das Kind und die Libelle tanzten miteinander als sprächen sie beide mit ihren Armen und Beinen eine ganz eigene Sprache. Die zarten Flügel der Libelle leuchteten im schönsten Kobaltblau und Violett und dann wieder in einem kräftigen Rosa und frischen Türkis, das es nur eine Lust war, zuzuschauen. Den Augen der Libelle entging dabei keine noch so kleine Bewegung des Mädchens und die Kleine begann nun in all den Farben der Libelle zu leuchten und ihre Augen strahlten dabei voll kindlichem Staunen und purer Lebenslust." (Tanz der Farben)

 

Das Ego - mehr als nur ein Ich

Die Entwicklung eines Egos entspringt einer gesunden Fähigkeit der Anpassung an die Welt, in die wir geboren werden.

Es entsteht zu einem Zeitpunkt, an dem wir noch nicht über eigene Erfahrungen verfügen – daher bildet es sich aus den Überzeugungen, Bewertungen und Weltanschauungen unserer Eltern, der Familie, der Gesellschaft, den Lehrern, dem religiösen Kulturkreis. Diese Instanzen nennt man „Weltbildpräger“ und sie sind eine wichtige Hilfestellung auf unserem Weg in ein selbständiges Leben.

dragonfly

"Plötzlich kam ihr ein Gedanke, sie setzte sich auf und fragte neugierig: ‚Was wolltest du mir eigentlich zeigen, liebe Gwendolyn?‘. ‚Was ich dir zeigen wollte?‘, fragte Gwendolyn, ‚ich möchte dir genau das zeigen, was du gerade erlebt hast. Die Freiheit zu tun was du möchtest, unbeschwert zu tanzen und zu lachen, wann und wo du willst! Mach einfach immer das, was sich für dich richtig anfühlt, denn dann werden alle um dich herum mittanzen und glücklich sein. Genau das macht Leben zu etwas Wunderbarem und Einzigartigem!‘" (Freiheitstür)

 

Das Ego umhüllt nun schützend unser natürliches Selbst, bis wir gelernt haben, wie es geht, ein Mensch zu sein. Ist dieser Zeitpunkt erreicht, wäre es nun soweit, die „Krücke Ego" wegzuwerfen, um unser eigenes, unser natürliches Selbst zu leben. Wird es jedoch weiterhin bestärkt, dann halten wir es irgendwann für unser wahres Selbst.

Dann wandelt sich das Ego vom Beschützer zum Verhinderer: es ist angewiesen auf die Meinungen anderer, die es bestärken und ihm seine Berechtigung geben. Daher reagiert es besonders empfindlich auf Lob und Tadel und ist manipulierbar und konditionierbar. Das Ego hat immer Recht und es ist nie zufrieden. Dabei kann es nicht aus sich selbst heraus im Hier und Jetzt existieren, sondern bezieht seine Überzeugungen aus einer längst überholten Vergangenheit.  Es verschweigt dabei, dass wir erwachsen und unabhängig sind – und damit trennt es uns von unserem Natürlichen Selbst.

flaring firewoman

"Die Schlange bemerkte, dass sie dank der zahllosen Häutungen in ihrem bisherigen Leben beweglicher und leichter auf die Anhöhe gelangen konnte. Sie glitt über die holperige Graslandschaft mit ihren vielen Untiefen.

Hatte sich der Wind hier ausgetobt?

Hatte er all die Zerklüftungen und Unebenheiten geschaffen?

War wohl Zorn der Grund?

Oder ließ der Wind sich nur freien Lauf, weil er es konnte?"

(FacettenReich)

 

Freiheitskinder

Ein Freiheitskind zu gebären bedeutet, dass wir aufhören uns mit den früheren Stadien unserer Entwicklung zu identifizieren.

Wir müssen nichts verändern und wir müssen auch nichts loslassen. Wir lernen lediglich, unsere falsche Vorstellung von unserem Ego zu durchschauen.

Unser Selbstbild und die Realität liegen sehr weit auseinander. Wir begreifen, dass wir es liebevoll verabschieden können, da unsere Einzigartigkeit jenseits davon existiert und wir nicht etwa sterben müssen, nur weil wir aufhören uns mit den Überzeugungen unserer Weltbildpräger zu identifizieren.

Rollen und Selbstbilder sind flüchtig, sie sind veränderbar. Das Selbstgefühl formt sich im Grunde in jedem Augenblick und in jeder Situation neu – wenn man es lässt. Wichtig ist nur zu begreifen, dass unser „Natürliches Selbst“ unter all diesen Wandlungsprozessen liegt.

wave dancer

"Meereswesen

Dein Seehundfell

Silberglänzende Haut vergraben

Am Ufer der Sehnsucht

Atmend"

(Unframed)

 

Beginnen zu können!

Das Freiheitskind hat 6 Aspekte: Spontanität, Exhibitionismus, Künstlerische Ursprünglichkeit, Selbstliebe, Mut und Selbstautorität.

Wir verhelfen dem Freiheitskind zur Geburt, wenn wir uns trauen, absichtlich ein Muster zu brechen.

Wenn wir uns so zeigen wie wir grade sind, obwohl die anderen das nicht verstehen.

Wenn wir aufhören uns zu verbiegen, nur um geliebt zu werden.

Wenn wir Dinge tun, die eigentlich nicht erlaubt sind.

Wenn wir aufhören nicht zu dürfen.

Wenn wir den Mut haben uns selbst zu lieben.

Wenn wir erkennen, dass wir nicht auf eine Identität festgelegt sind.

Wenn wir aufhören zu müssen.

Wenn wir beginnen zu können.

magic wand keeper

"Morgen wird sie ihre Reise ins Unbekannte fortführen. Im Licht des wärmenden Feuers träumt sie lächelnd vom wilden Freisein." (Das Finden des Lichts)

 

Die Geistkindchallenge

Entstanden aus der Not heraus während des ersten Lockdowns 2020, ist die Geistkindchallenge mittlerweile ein fester Bestandteil des Frauenjahres. Mittlerweile haben wir die Geburt von vier Geistkindern in Wort und Objekt interpretiert und uns dabei als Schöpferinnen von Geschichten, Gedichten und Land-Art-Projekten erfahren. 

2023 sollte nun das Freiheitskind das Licht der Welt erblicken. Wie oben beschrieben, verkörpert dieser Aspekt die Rückverbindung zu dem Teil von uns, der als das "Natürliche Selbst" beschrieben wird. Die Challenge heisst unter anderem Challenge, weil sie eben nicht unter Anleitung in der Gruppe stattfindet, sondern weil jede Frau für sich alleine, an ihrem Ort und auf ihre eigene Art und Weise die Herausforderung annimmt. 

mondwasserfrau

"Ich bin die Liebe, ich bin der Anfang und das Ende, ich bin die Geburt und ich bin der Tod. Ich bin Alles!!!! Ich renne, schnell wie der Blitz und gefühlt um mein Leben. Schritte werden hinter mir lauter und kommen immer näher, ermahnen mich, noch schneller zu laufen. Ich kann nicht mehr, die Lunge pfeift aus dem letzten Loch und bei jedem Schritt komme ich dem Moment näher, an dem meine Beine mich nicht mehr tragen. Wo bin ich und was zum Teufel ist hier los?" (Durchbruch) 

 

Zu Besuch beim Natürlichen Selbst

Um zunächst eine Vorstellung von diesem Aspekt zu erhalten, war der erste Teil der diesjärigen Herausforderung ein "Besuch beim Natürlichen Selbst" in Form einer Meditation über innere Räume und Bilder. Schritt für Schritt richteten wir unser Gewahrsein immer mehr in den Innenraum unseres Körpers:

"Wenn Du nun dort einen Moment verweilst und Dich umschaust, dann entdeckst Du viele Türen. Es sind unendlich viele und sie sind von unterschiedlicher Gestalt: groß und klein, hell und dunkel, breit und schmal, ganz bunt oder einfarbig….

Nimm Dir Zeit um diese vielen und vielfältigen Türen anzuschauen. Dies sind die Türen zu Deinen Inneren Räumen.

Wenn Du Dir die Türen näher anschaust, dann wirst Du feststellen, dass Du einige dieser Räume schon kennst.

Andere sind Dir unbekannte Räume.

An einer dieser Türen ist ein Schild angebracht auf dem steht: „Natürliches Selbst“. Wenn Du magst, dann öffne diese Tür jetzt und tritt ein.

Nun stehst Du in dem Raum, den Dein Natürliches Selbst bewohnt."

Das individuelle Natürliche Selbst durfte alsdann ausführlich betrachtet, befragt und erforscht werden. Die Erkenntnisse, Einsichten und Empfindungen dieser Forschungsreise in unsere Inneren Räume führten uns zum nächsten Teil der Challenge, einem so genannten Cord-Cutting.

white feather

"Und so erzählte er, dass er mehrmals in der Autre Monde gewandelt war. Zum ersten Mal als er merkte, dass er an Kraft und Energie verloren hatte und er für alles mehr Zeit benötigte. Dann kamen plötzlich diese Träume, die er erst nicht verstand und ihn in Unruhe versetzten. Die ihm aber zeigten, dass er Zorn, Ungeduld und Unruhe hinter sich lassen sollte. Zum zweiten Mal suchten ihn die Träume auf als er spürte, dass sein Mund, die Lippen und die Augen trockener wurden und ihm das Sprechen schwerer viel. Er fühlte sich insgesamt immer schwächer und es wurde ihm deutlich, dass er sich auch von seinem Ehrgeiz trennen musste. Und mit dem Rückzug des Feuers in ihm, gab er auch nach dem dritten Traum noch seinen Stolz, seine Ehre und seine Macht auf und mit einem Mal wäre es um ihn herum immer heller geworden und die Sterne hätten noch mehr Strahlkraft gehabt." (amour infini)

 

Verstrickungen lösen

Ein Cord-Cutting ist ein zeremonielles Durchschneiden von jenen Identifikationen, die uns behindern - in diesem Fall die Entfaltung unseres Natürlichen Selbst. Wie schon zuvor sollte auch hier eine meditative Innenschau Klarheit schaffen:

"Wer bist Du? Gibt es Dinge, die Deiner Verwirklichung im Natürlichen Selbst im Wege stehen?

Bist Du der Strom der sich wandelnden Gefühle?

Bist Du Deine Wahrnehmungen?

Bist Du Deine Erinnerungen?

Bist Du Deine Gedanken?

Bist Du Deine Ideen?

Bist Du Deine Überzeugungen?

Bist Du Deine Meinungen?

Wer bist Du am Arbeitsplatz?

Wer bist Du in der Familie?

Wer bist Du in der Gesellschaft?

Wer bist Du in Deiner Beziehung?

Wer bist Du in Deinem Herzen?

Die Lebensgeschichte, die Du Dir solange erzählt hast, ist sie wirklich wahr? Bist Du das?

All die sich wandelnden Empfindungen Deines Körpers, der Schmerz, die Anspannung – bist Du das?

Die schlimmen Gefühle, die Angst, die Hilflosigkeit – bist Du das?

Die Gedanken in denen Du Dich verurteilst – bist Du das?

Und wer ist es, der sich all dieser Dinge bewusst ist? Schau hin!

Was gehört nicht mehr zu Dir?

Was steht Dir im Weg?

Was hindert Dich ganz Du selbst zu sein?

Welche Fesseln wirst Du hier und jetzt durchtrennen?"

mechthild

"Sie setzte sich auf. Dahinten stand er, der alte Baum, den sie so liebte. Sie lief zu ihm, begrüßte ihn, berührte zärtlich seine Rinde und umarmte ihn liebevoll. Schließlich ließ sie sich an seinem Stamm hinabgleiten zwischen zwei auslaufende mit Moos überwachsene Wurzeln, und blieb dort, mit dem Rücken an den Baum angelehnt sitzen. Sie würde eigene Wege gehen, Neues ausprobieren, mutig sich selbst etwas erlauben zu tun, würde sich selbst und dem Leben trauen. Und während sie so dasaß, ganz bei sich, getragen von Mutter Erde, stiegen Tränen in ihr auf, Tränen der Erleichterung und des Glücks." (Aufbruch)

 

Dem Erleb(t)en eine Form geben

Oder besser gesagt: dem Geistkind einen Körper geben! All die fraglos intensiven, berührenden und überraschenden Einblicke in unser Innerstes, sollten nun im letzten Teil der Challenge in einer Geschichte verarbeitet werden.

Geschichten sind eine hervorragende Möglichkeit der Nachrichtenübermittlung. Wieviel altes Wissen ist wohl in den Märchen verborgen, die die Völker auf der ganzen Welt ihren Kindern erzählen? Geschichten sind sogar manchmal die einzige Möglichkeit die Wahrheit so zu verkleiden, dass sie von den Menschen angenommen werden kann und nicht verloren geht.

silver eagle

"Wachsen und Vergehen,

Leben und Tod,

jeder Moment einzigartig,

Gewahrsein."

(Sunshine)

 

Es gibt Geschichten, die von den Gefühlen des Menschseins erzählen, von der Liebe und dem Schmerz, von den Irrungen und Wirrungen des Lebens. Dann gibt es solche, die eine Lektion erteilen, eine gemachte Erfahrung und die daraus resultierende Wahrheit so übermitteln wollen, dass die Zuhörer eine Inspiration erfahren. Andere möchten Wissen konservieren und bewahren – in Gestalt eines Märchens kommen gefährliche Wahrheiten oft so harmlos daher, dass sie nicht befürchten müssen ausgemerzt zu werden.

Da werden Träume, Wünsche und Kapriolen des Geistes in kühne Räuberpistolen gewoben – zu welchem Zweck? Einfach nur weil die Phantasie nach Ausdruck verlangt. Weil die Kreativität unsere tiefste Ressource ist. Weil wir Schöpferinnen sind, Weberinnen, Wahrheit suchende und Wahrheit sprechende. Weil in jeder Frau, in jedem Mann und in jedem Kind eine Skaldin und ein Skalde wohnt, weil wir mit Geschichten Bilder malen.

Und weil unsere Seele diese Bilder braucht. Um heil zu werden, um sich zu entwickeln, um zu lernen, um zu verstehen, um nachdenklich zu werden oder einfach nur um sich daran zu erfreuen.

emerald snake

"Ich weiß nicht, wie lange der Ewige Augenblick dauert. Womöglich währt er nur einen Augenblick lang ewig. Aber ich trage ihn in mir. Und vielleicht bin ich, die weltenwandernde und etwas zerzauste Zauberin, ja auch nur ein Wimpernschlag in der Unendlichkeit." (HinAusWachsen)

 

Naturkunst als Möglichkeit zum kreativen Selbstausdruck

Naturkunst oder auch LandArt ist ein fester Bestandteil der Geistkindchallenge. Auch wenn wir mitten in der Stadt wohnen - irgendwo findet sich immer ein Stückchen natürliche Ursprünglichkeit, die uns einläd. Dabei werden entweder die vorgefundenen Materialien vor Ort genutzt oder auch ortsfremde bzw. nicht-natürliche Materialien verwendet. Ich persönlich möchte gerne sicherstellen, das Naturkunst nicht stört oder gar zerstört und dass die Projekte und Objekte dazu geeignet sind, (wieder) Teil der Natur zu werden und sich in ihr aufzulösen.

Es ist ein erhebendes Gefühl durch die Natur zu streifen und Mandalas, Bilder und kleine Objekte aus heruntergefallenen Zweigen, Rindenstücken, Samenkapseln, Zapfen und Steinchen zu schöpfen. Dabei ergibt sich wie von selbst ein tiefes, meditatives Eintauchen in die Magie des Ortes - ohne Worte, ohne Ziel - einfach ein absichtsloses Geschehenlassen auf einer Metaebene unseres Bewusstseins, welche noch in Kontakt mit dem Ursprünglichen in uns ist.

Die Fotografien dieser NaturKunstWerke stellen einen weiteren Teil des Geistkindes dar, welches in seiner Vollendung in diesem Jahr als 70-Seitiges Gemeinschaftswerk daher kommt - der absolute Rekord!

white swan

"Riesige, abgestorbene, dicht an dicht stehenden Wurzeln begrenzten ihr Zuhause. Und Lucy war froh darum. Denn die vermutlich für andere Menschen bedrohlich wirkenden, ihr jedoch so vertrauten Holzpfeiler, schirmten wachsam vor der unbekannten Außenwelt und der dahinter liegenden Schwärze ab. Lucy war noch nie außerhalb des Raumes gewesen. Einen anderen Ort kannte sie nicht. Furcht vor dem Unbekannten, vor dem Dunkel hinter den Pfeilern, erstickten jeden Gedanken im Keim, den Raum durch die Astpfeiler zu verlassen." (Einlassen auf Neues)

Im nächsten Jahr feiern wir die Geburt des "Große-Mutter-Kindes" - den Schritt aus dem Drama hinaus in die Reife! Informationen dazu finden sie hier:

→ Geistkindchallenge 2024 (bald online)

→ Informationen über den Zyklus FrauenPfade

→ Seminartermine 2024 (bald online)

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